Charter Schools als Reformmotoren
Hilfe für die Hoffnungslosen
Hier gehen hoffnungslose Generationen in die Schule«, sagt Angelika Klein-Beber. »Viele Kinder verlassen die Schule ohne Abschluss.«
[Auszug aus: "Ausweg Privatschulen? Was sie können, woran sie scheitern" Hamburg 2010]
Klein-Beber ist Anwältin und Gründerin einer privaten evangelischen Schul-Initiative, die in Berlin-Kreuzberg den schulpolitischen Stillstand beenden will. Beber hat keine Lust, darauf zu warten, bis sich das staatliche Schulsystem verbessert – sie will das Thema selbst in die Hand nehmen. Gemeinsam mit anderen hat sie die Initiative ergriffen, um eine evangelische Schule in Kreuzberg zu gründen.
Skeptisch gegen Privatschulen
Dem Begriff Privatschule steht Klein-Beber skeptisch gegenüber: »Wir sind keine private Schule, sondern ein freier Träger«, betont sie. Die Gebühren der Schule wären maßvoll. Maximal 150 Euro monatlich, das sei nicht vergleichbar mit dem fünfstelligen Schulgeld, das man für englische Privatschulen jährlich aufbringen müsse. Und natürlich stünde ihre Schule für Muslime offen, genau wie etwa in der evangelischen Schule des Nachbarbezirks, wo etwa ein Drittel der Schüler muslimischen Glaubens seien.
Der Bezirk sagt Njet
Egal aber wie visionär oder professionell die Ideen der Schulgründer sein mögen. In das Gebäude der staatlichen Rosegger-Schule dürfen sie nicht hinein – weil Kreuzbergs Lokalparlament Angst hat, eine Privatschule könne den umliegenden Schulen Konkurrenz machen. Sie haben beschlossen, staatliche Schulgebäude grundsätzlich nicht an Privatschulen zu vergebeb. Damit ist Klein-Beber die x-te Initiative, die in Kreuzberg Schule verbessern will, aber daran gehindert wird. Der schulpolitische Sprecher der SPD sagt zur Begründung, eine private Schule könnte die umliegenden staatlichen Schulen »kannibalisieren«.
Schluss mit der Blockade
Vielleicht ist es Zeit, in Kreuzberg aus dem wechselseitig blockierten Entweder-staatliche-Schule-oder-private-Schule zu entkommen. Durch ein sowohl als auch. Sowohl staatliche Schule als auch private Schule. Also zum Beispiel eine kommunale Schule nach dem Jenaer Modell oder eine Charter School nach dem Vorbild Geoffrey Canadas in New York-Harlem. Dann müssten die Kreuzberger die Verantwortung nicht mehr auf den Berliner Schulsenator schieben. Sondern sie hätten selbst die Kompetenz, eine gute Schule anzuschieben. Angelika Klein-Beber müsste sich bei sich selbst nicht mehr dafür entschuldigen, dass sie eine Privatschule gründen will. Dann könnte man endlich ein gutes frei-öffentliches Schulmodell in Kreuzberg testen. Und Vorbild werden für die vielen Regionen, die eine eigene Regional- oder Charter School entwickeln wollen.
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